Freitag, 18. Januar 2013
Biete Kinder, suche Putzwagen
Alles hat seinen Preis und Wert, meine Tätigkeit als Hausfrau jetzt mal ausgenommen, die gibt’s umsonst. Ich habe nun herausgefunden: Um mir eine Putzhilfe für eine Stunde zu leisten, kostet das so viel wie fünf Stunden ein Kind hüten oder 2,5 Stunden zwei Kinder. Ich könnte mir also die Putzstunde refinanzieren, in dem ich in dieser Stunde fünf Kinder hüte, die dann meine Wohnung so verwüsten, dass noch eine Stunde putzen nötig ist, währenddessen die Kinder usw. Also habe ich mir überlegt: Ich tausche meine Kinder gegen einen Putzwagen.
Das rechnet sich, ich habe Zeit, auf der sauberen Couch in Ruhe Pralinchen zu essen. Die Kinder zu verkaufen lohnt ja nicht, gibt nix dafür. Zum Beispiel von der Gemeinde. Dort wurde mir erklärt, dass man es gut findet, wenn sich jemand (außer ihnen) für Kinderfreizeit, Kulturelles oder die Integration einsetzt.
Mein Plan sieht nun so aus: Ich engagierte mich für die Jugend und wir machen ein Graffitiprojekt, bei dem wir das für viel Geld verschönertes Gemeindehaus (mit modernem Grauanstrich und vielen schönen Räumen noch schöner machen. Anschließend komme ich mit dem Putzwagen und schrubb das alles weg, währenddessen die Kinder in dieser Zeit im Gemeindesaal von der Gemeinde gehütet werden. Da haben doch alles was davon, oder?



Mittwoch, 21. November 2012
Klassentreffen – Hilfe, ich pass nicht ins Kleid
Es gibt Frauen, die ich hasse. Also alle zwischen zu dünn und normalgewichtig. Und es gibt die bösartige Spezies. Das sind Frauen, die das Klassentreffen auf die Vorweihnachtszeit legen. Wohlwissend, dass ich zu dieser Zeit UNMÖGLICH 30 Kilo Übergewicht abspecken könnte. Scheinheilig wie sie waren, schicken sie die Einladung im Sommer. Aber ehrlich, als würde Bergsteigen etwas daran ändern, dass zum Spätsommer schon die Lebkuchen und Pralinchen im Laden locken.

Kurzum: Ich muss vor den wabbeligen Tatsachen kapitulieren, auch Madonnas Fitness Trainer könnte hier nichts mehr ausrichten. Statt Personal Coach brauch ich einen Mental Coach und schwarze Klamotten aus der Molligmodeecke, um die Problemzonen zu kaschieren. Also, chaka, ich habe zwar das Diätziel nicht erreicht, aber doch viele tolle Sachen in meinem Leben. Darf aber nicht geschwindelt sein wie bei „Romy und Michelle“, ein Film, der mir seit Wochen im Kopf herumgeistert.
Noch ein Friseurtermin und natürlich brilliant gestylte Fingernägel.

Ok, die Haare waren jetzt nicht der Renner. Ich hätte sie in den Wochen zwischen Friseur und Heimfahrt nicht waschen sollen, keine Ahnung, wie die Friseuse meinen Pony über den Augen fixiert hat.

Ich habe mir extra einen neuen Nagellack gekauft. Verpackung war schön, „Vintage Look“. Auf meinen Nägeln sieht er aus, als hätte ich meine Finger in die Heilerde-Gesichtsmaske getaucht, die gegen die Pickel helfen soll, die vor Aufregung in meinem Gesicht sprießen. Hab mir dann schnell noch am Bahnhof einen passend zum Anlass goldglitzernden Lack beschafft und ständig irgendwas gegessen, damit ich mir nicht die Nägel vor Aufregung abkaue.

Ach ja, Treffen war nett. Mich hat jemand wiedererkannt. Aus der Parallelklasse. Glaub ich zumindest. Kann natürlich auch sein, dass der Mann auch ohne Nahsichtbrille mein Namensschild im Halbdunkel lesen konnte. Ich frag ihn mal. In fünf Jahren. Wenn er sich dann noch erinnert …



Samstag, 20. Oktober 2012
Meine verhinderte Romanze als gelangweilte Hausfrau
Eine Hausfrau hat ja mächtig viel Zeit den ganzen Tag. Bisschen die Oberflächen der Hochglanzküche polieren, bisschen Juniors Mittagessen vom Boden aufsammeln – wobei, ich könnt mir doch Hühner halten, wozu lebt man auf dem Land? – und ab und zu eine Ladung Wäsche waschen, den Wäscheständer aufstellen, die Wäsche in den Trockner werfen und hinterher dem Mann so lange ein schlechtes Gewissen wegen des ganzen Hebens, Streckens, Bückens beim Aufhängen seiner Businesshemden einreden, bis er betroffen eine ausgiebige Rückenmassage anbietet.

Als Ausgleich braucht eine Hausfrau Hobbys. Dazu listet mein Dorf stolz ganz viele tolle Verein auf, denen ich beitreten kann: Wurftaubenclub, Tambourenverein oder Verein zur Erhaltung der alpwirtschaftlichen Nutzung eines mir unbekannten Ortes. Es gibt sogar einen Sportplatz. Ok, der ist in der Regel geschlossen, weil dazu der passende Sportverein fehlt. Aber nutzen könnte ich den. Für ein Konzert, meiner Kinder vielleicht, die hier die Möglichkeit haben, in der Musikschule Pan- oder Blockflöte zu lernen. Das kostet nicht so viel wie richtige Instrumente.

Ansonsten gibt es den inoffiziellen italienischsprachigen Jugendtreff, der sich unter meinem Balkon befindet. Einige Vokabeln habe ich bereits verstanden. Oder aber man sucht sich neue Hobbys.

1. Rechercheuse von Mehlsorten: Es gibt zwar kein Roggenmehl, dafür aber Ruchmehl. Klingt schon ein wenig nach Hausfrauenerotik, oder?
2. Artikel aus Gratiszeitungen ausschneiden: Es ist so schön, die Unfallberichte zu lesen, bei denen ein Personenwagenlenker einen Selbstunfall verursacht und seinem Wagen einen erheblichen Schaden zufügt oder im Wald ein Quadratmeter dürres Gras verbrannte.
3. Digitales Fernsehen. Ich habe zwei Adultchannel und daraus ein schönes Spiel entwickelt: Erst auf Pausentaste und dann im Highspeed-Tempo die Spots abspulen. Das ist so witzig und somit besser als jedes Beckenbodentraining auf der Turnmatte.

Apropo Turnmatte und gelangweilte Hausfrau. Fast hätte ich eine wunderschöne Romanze mit einem schönen und jungen Italiener gehabt, der mich jüngst nach dem Weg fragte. Angesichts meiner im lupenreinsten Italienisch vorgetragenen Wegbeschreibung (Straße nach links, gerade aus) wollte er nicht wahrhaben, dass meine mangelnden Sprachkenntnisse zwischen uns stehen könnten und wollte sofort alles über mich wissen: Ob ich hier wohne, wo genau und ob ich alleinstehend sei. Er war sehr sehr betrübt, als ich ihm erklären musste, dass in dem erleuchteten Räumen hinter mir zwei hungrige Zwerge und ein Mann auf ihr Abendessen warten.
Und so zog er von dannen in der Dunkelheit bei strömenden Regen. Es sollte einfach nicht sein. Aber ich habe etwas gelernt: Schwarze Klamotten im Dunkeln und Regen im Gesicht kaschieren super Gewicht und Alter. Doch ich bin sicher: Der Jüngling hat einfach meine innere Schönheit erkannt.



Dienstag, 26. Juni 2012
Witzischkeit kennt keine Grenzen
...Witzischkeit kennt kein Pardon." Diese Zeile kam mir neulich bei der Zeitungslektüre in den Sinn, bei der ich nur dachte: Stimmt, wenn es denn auch witzig wäre. Deshalb die Moral dieser Geschicht‘ gleich zu Anfang: Versuchet euch nicht an lustigen Kolumnen, wenn ihr's nicht könnt. Schreibt es halt in einen Blog wie ich und verratet niemanden die Webadresse. Oder erzählt es auf Seniorenkaffeefahrten.

„Dabei stossen einem sogar Speisen sauer auf, die man gar nicht gegessen hat (…)„Um diesen Namen fehlerfrei auszusprechen, braucht man sehr sehr viel Kukident.“ Worum es geht? Um den Namen Kanapathypillai Gunabalasingam, den der Kolumnist eines Schweizer Gratisblattes nicht aussprechen kann, weil er wohl auf den falschen Wahltarif gesetzt hat und sich nun eine gute Zahnversorgung nicht leisten kann.

Tut mir sehr leid für den einfühlsamen Buchautor und Journalist P. Denn er weiß, dass sich „der Herr mit dem Namen Gholamhoselupur sehr einsam fühlen dürfte, wenn er darauf besteht, dass sein voller Nachname ausgesprochen wird.“

Auch ich frage mich wie Wochenblattphilosoph P., wieso es eigentlich so schwierige Namen gibt, „wenn es Meier oder Müller oder Schmid auch täten.“ Menschenfreund P. kennt die Lösung dieses Elends. Den Namen kürzen, wie sein mustergültig integrierten Schreiner, der sich „Kavi“ nennt.

Ich schließe mich an. Würde meine Freundin Monika nur „Hilti“ heißen, passt ihr Nachname auch vollständig in meinen Telefonspeicher. Fußballkommentatoren könnten bei Borussiaspielen im wahrsten Sinne des Wortes „am Ball“ bleiben, wenn sie nicht so schrecklich komplizierte Namen wie Perišic; oder Blaszczykowski aussprechen müssten. Andererseits, könnte man die nicht gleich ersetzen durch deutsche Müller und Meiers?

Aber das betrifft mich ja nicht als Mut, sorry, Migrant in der Schweiz. Ich integriere mich nun vorbildlich und heiße ab sofort Kringli. Aber ich fürchte, diese Änderung bekomme ich nicht nur, oder Frau Leuthi-Schnarri?

Ach so, fast hätte ich Kukident-Testimonial P. vergessen. Ich habe eine Idee, wie Sie ihre Kasse aufbessern könnten: Wie wäre es mit einem Job als Unterhalter auf einem NPD-Parteitag in Mecklenburg-Vorpommern? Da sind dann halt lauter Ausländer. Schlimm?



Donnerstag, 31. Mai 2012
Politische Schokolade
Vor einer Weile in Köln: Als Muddi und aus dem Osten bin geradezu ein Trüffelschwein, um Orte zu finden, an denen es gerade „etwas gibt“. Käsehäppchen für lau, den Wachturm, Bananen oder Süßkram. Also steuere ich in süßer Vorfreude auf den Stand neben dem türkischen Gemüsehändler zu, der gerade Schokolade verteilt. Doch die freundlich lächelnden Menschen entpuppen sich bei Blick auf den Sonnenschirm als PRO-Köln-Vertreter, Leute die Rabatz machen wegen einer Moschee. Ich meine, von mir aus können sie alles bauen, Möbelhaus, Gotteshaus, Kartoffelhaus, Hauptsache, es hat ein Klo. Und wenn es eine Kinderbetreuung gibt, bin ich die erste, die dort regelmäßig erscheint. Aber zurück zum Thema. Da ich nun mal politisch keine Flanke bin, habe ich die Schoki also großmütig abgelehnt und meinem Kind erklärt, dass wir „von solchen Leuten“ nichts nehmen. Hat sie überzeugt. Anschließend habe ich kiloweise Obst beim Türken gekauft. Ist eh gesünder.
Nun, in der Schweiz, bin ich die Ausländerin und denke intensiver über das Thema Integration nach. Ich muss meine Landsleute mahnen: Integriert euch. Ich habe mich bereits kulinarisch angepasst und esse natürlich nur noch Schweizer Schokolade. Ist nicht umsonst, aber billiger als eine Sellerieknolle.



Montag, 23. April 2012
Schweizer Butter außer Kontrolle
Die Schweiz ist das ideale Beschäftigungsland für Hausfrauen. Das beginnt mit Kindergarten und Schule. Natürlich gibt es dort kein Mittagessen, sondern alle gehen nach Hause und essen, was Muddi gekocht hat. Alle, nein, nicht meine Kinder. Aber die sind ja ohnehin noch zu Hause, weil Muddi noch einige Formulare beibringen muss. In der Schweiz hat die (deutsche) Hausfrau viele Hobbys. Einige Beispiele:
1. Meine Spülmaschine hat mir eine Psychose beschert. Es gibt ja Menschen mit dem Zwang, immer noch einmal zu kontrollieren, ob Herd aus und Wohnungstür abgeschlossen sind. Ich renne nun ständig in die Küche und kontrolliere, ob die Maschine (die hier Waschmaschine heißt) wirklich läuft. Tut sie, eben sehr leise. Aber egal, die paar Extrameter verbuche ich unter sportliche Betätigung.
2. Das Butterangebot: Da gibt es Butter, Kochbutter, Vorzugsbutter. Aber wo ist der Unterschied? Warentester meinen, es gäbe schlichtweg keinen. Andere wähnen einen unterschiedlichen Fettanteil, was sich bei Blick auf die Inhaltsstoffe nicht bestätigt. Also steht Muddi verzweifelt vor dem Fettregal und grübelt, ob sie zur weniger teuren Kochbutter greift und sich bei den anderen Kunden des Dorfladens als knausrige Deutsche outet oder eher zur Vorzugsbutter mit dem Gefühl, von der Marketingabteilung der hiesigen Milchwirtschaft gründlich veräppelt zu werden. So oder so: Schweizer Butter und deutsche Einheitsbutterdose passen nicht zusammen. Denn die Schweizer Butter besitzt eher die Form eines Riegels denn eines Stücks.
3. Der Deutschen Produkte: Meine Kinder mögen Griesbrei und Pudding. Was in dieser Gegend nicht en vogue ist, sind Gries und Puddingpulver. Ob die Schweizerinnen den Pudding stets liebevoll selbst zusammenrühren ohne Farb- und Aromastoffe aus der Tüte? In einem großen Laden würde ich fündig. Der Gries sieht etwas gewöhnungsbedürftig aus, aber Hauptsache zufriedene Kinder.
4. Die Mär von der Qualität: Es stimmt nicht, dass pauschal alle Lebensmittel in der Schweiz teurer sind und die Schweizer mit Blick auf die Qualität deshalb mehr ausgeben. Grundsätzlich: Sie haben bei den Preisen keine andere Wahl als mehr auszugeben. Neulich habe ich mir eine günstige Milch gegönnt. Sah aus wie Milch, schmeckte aber nicht nach Kuh Erna auf saftiger Graswiese, sondern eher nach ihrer Wassertränke.
5. Hingegen wird Qualität beim Handwerk großgeschrieben: Der Rollladenverantwortliche zog sich neulich in der Wohnung Filzüberpantoffeln über seine Arbeitsschuhe, um das Parkett zu schonen. Ich war beeindruckt. Und selbst beim Joghurtbecher stimmt die Qualität: Wie bei meinem deutschen Biojoghurt wird auf dem Karton angeregt, den Umkarton vom dünnen Plastikbecher zu lösen und beides getrennt in die jeweilige Tonne zu geben. Anscheinend wusste nur der Kleberverantwortliche nichts von dieser Idee. Mit schlechtem Umweltgewissen habe ich irgendwann die Kratzerei aufgegeben und alles in den Restmüll geworfen. Und nun bange ich, ob mich die Müllpolizei erwischt.



Montag, 27. Februar 2012
Ich bin halt emotional intelligent
Mein Mann ist blöd. Nun, er ist schon intelligent im Sinne IQ und so. Im Unterschied zu mir liest der ein Buch – und weiß auch nach Monaten noch, was darin stand. Ich merk mir ja kaum, wie alt ich dieses Jahr werde. Aber wem hilft seine Intelligenz? Warum kann er sich dann nie merken, wohin die schmutzige Wäsche gehört? Und warum fragt er, was er den Kindern anziehen soll? Das traurige Highlight: Eine Babywurst, bekleidet mit Strampler, darüber Hose, Jacke und noch den Schneeanzug. Und warum? Weil die Sachen halt auf der Wickelkommode lagen. „Ich dachte, du hättest die mir hingelegt.“ Ich nenne das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom. Moment, das gibt es schon. Aber mein Freund zappelt natürlich nicht. Im Gegenteil. Sein Verständnis von Wohnungsaufräumen hat eher etwas Meditatives, während ich wieselartig fege und feudel, räume und wische. Aber vielleicht liegt das an meiner Hausfrauenkompetenz. Und selbst die ist so dürftig, dass ich im Quiz bereits an der Frage scheitere: Sind meine T-Shirts nun Buntwäsche (Waschmaschinen programm rechts) oder doch Pflegeleicht (in die andere Richtung drehen).
Bleibt mir nur noch die Emotionale Intelligenz. Böse Zungen behaupten, die hätten nur findige Autoren erfunden, damit man ihr wissenschaftlich fundiertes Werk kauft, das endlich mal erklärt, dass nur mein Geschlecht daran schuld ist, dass ich nicht einparken kann. Die sind nur neidisch, denn natürlich gibt es einen EQ. Ich weiß ganz genau, dass ich emotional sehr reichhaltig bin. Ich beherrsche perfekt das Repertoire zwischen grimmigem Schweigen und Abwarten (Kind hat die Windel voll), nörgelnder Dauerberieselung, dass das Kind die Windel voll hat bis zum wutschaubenden "Dann wickel ich halt selbst."

Aber warum erzähle ich das: Genau, weil Intelligenz blöd und total überbewertet ist. Oder aber, na ja, weil ich gerade versuche, einen Schweizer Krankenversicherungsvertrag zu verstehen und immer noch nicht weiß, ob mein Mann ausreichend versichert ist für den Fall, dass ich ihn bei einem emotional intelligenten Einparkversuch umfahre.



Donnerstag, 16. Februar 2012
Ich blogge, also bin ich – äh wichtig?
Ich habe kürzlich eine Talkshow gesehen, irgendetwas zum Thema Benehmen. Für den gemeinen Zuschauer, der nicht regelmäßiger Feuilleton-Leser ist, gibt’s dabei eine Einblendung mit Name und Funktion. Sollte man meinen. Beim Nachfahren des Benimmbuchverfassers Knigge, war zu lesen: Nachfahre von Knigge. Das ist natürlich ein 24/7-Job. Und dann saß noch der Sascha Lobo, der Mann, mit dem roten Frettchen auf dem Kopf. Und der ist von Berufs wegen Blogger. Nun nichts gegen Sascha Lobo, seine Texte sind intelligent und großartig, da ist die Frisur egal – bei Heidi Klum ist das ja andersrum.

Aber ein „Ich bin Blogger“ auf die Frage „Und was machst du so?“ war bis dato eine Information vom Format eines „Hallo, ich bin der Ronny und schwul“, „Ich bin Mutter von drei Kindern“ oder „Ich arbeite beim Film“. Darauf komme ich später zurück.

Ist der Blogger das Nachfolgemodell des "Experten" wie die so genannten oder selbst erkannten Society-Experten, die nichts weiter auszeichnet, als Prominenten auf der Benefizveranstaltung für Models aus Muränien aufzulauern und dümmliche Fragen zu stellen. Deren Expertise darauf beruht, mal auf dem Damenklo die Lippenstiftmarke von Veronica Ferres gesehen zu haben.

Aber zurück zum Thema Bloggen. Es freut mich, dass das als Qualifikation bzw. als Berufsbezeichnung ausreicht. Endlich brauch ich nicht kleinlaut „Ähm, Familienmanagerin“ piepsen, wenn mich der CEO meines Mannes bei der Firmenweihnachtsfeier fragt, was ich denn so mache. Pah, ihr promovierten Superwissenschaftlerproduktmanagerconsultantssenioren. Ich werde die Stimme senken, verschwörerisch blinzeln, um anschließend mit einer selbstgefälligen abwinkenden Geste erwähnen: Ach, nichts Besonderes, ich blogge (in der Hoffnung, dass die Schweizer nicht glauben, das sei eine Form von blockieren, darin bin ich Meisterin, zumindest beim Ausparken, und zwar minutenlang und inklusive Gegenspur). Es wird ein Raunen durch die Menge gehen und mir alle Respekt und Aufmerksamkeit zollen ob meiner wichtigen Tätigkeit.
Ach, falls jemand fragt, was ich beruflich so mache: Ich mache was mit Medien.



Freitag, 20. Januar 2012
Warum ich keinen RWE-Vertrag habe
Es klingelt an der Tür. Ist nichts Besonderes, ich bin dank „Klingelschild unten links“ der Türöffner des Hauses, sozusagen das Portal für Botschaften aus aller Welt. Also schlurfe ich zur Tür und versuche, in detektivischer Manier zu ergründen, wer diesmal Einlass erbittet: Claude, mein Lieblings-DHL-Bote und unermüdlicher Trainer für französische Floskeln? Nicht seine Zeit. Anzeigenblatt? Falscher Tag. Ein Stapel interessante Verbraucherinformationen? Dito.
Ich öffne die Tür und checke sekundenschnell die Lage: Für einen Moment verwirrte mich eine attraktive Erscheinung im Bügelhemd. Zeuge Jehovas? Nein, das seelige Lächeln fehlt. Mormone? Kein Namensschild. Aboverkäufer? Zu gut aussehend und angezogen.
Der junge Mann fragt nach meinem Stromzähler, ich hätte ja letzte Woche mit seiner Kollegin schon gesprochen. Äh, nein, ich war gar nicht da und ablesen, wieso jetzt? Ach, er ist gar nicht von den Stadtwerken, sondern von RWE (und das als lekker Junge denke ich und musste ein wenig über meinen Flachwitz schmunzeln), ja, ja, die liefern mir doch meinen Strom, sozusagen sei ich ja eine Kundin und nun gibt es ein noch attraktiveres Angebot. Er senkte seine Stimme und raunte, dass nicht allen diese Offerte unterbreitet wird.
An billigem Strom bin ich schon interessiert. Vor allem, nachdem ich mit einer überhöhten Stromvorauszahlung dafür gesorgt habe, dass Michael Ballack und seinen Vereinskollegen so lange duschen durften, wie sie wollten. Na das klingt gut, da könnte ich mir ja fürs gleiche Geld meine Haare auch trockenfönen. Aber ich will trotzdem in Ruhe nachlesen und rechnen. Das hört er jetzt nicht gern. Er könne später wiederkommen und mit mir einen Kaffee trinken. … (Stirnfalte bei mir und Verweis auf meinen Mann im Nachbarzimmer). Er könne auch nächste Woche vorbeikommen (wenn der Mann weg ist). Und dann beging er den Fehler, der ihn seine Provision kostete: „Ich kann doch Du sagen, oder? Eine junge Frau und gut aussehende Frau wie Sie…“ Alle von zwei Kindern liebevoll gepflegte Falten in meinem Gesicht brachten sich in Stellung. Ehrlich, ich hab nichts gegen kleine Schwindeleien wie „Ach Schatz, ich seh kein graues Haar bei dir und überhaupt mag ich lieber Frauen, an denen was dran ist“. Aber nach einer durchwachten Nacht mit kotzendem Kind und gerade aus dem Mittagsschlaf gerissen mit zerzauselten Haaren, in Schlabbersachen und halb blind (Brille auf dem Nachtschrank) sehe ich einfach nur mies aus. Und so kam es, dass ich keinen RWE-Vertrag habe, weil na, wer kauft schon etwas von jemanden, der einen so anlügt, dass es schon wehtut?

Liebe RWE Kundenberater: Kommunikationstraining absolvieren ist das eine, das Gelernte richtig anzuwenden, das andere. Ich könnte ihren netten Mann mit dem tollen Aftershave gern unterrichten, er könnte ja zum Vertrag unterschreiben mal auf einen Kaffee vorbeikommen.



Dienstag, 3. Januar 2012
Ente bleibt Ente - Kindheitstraumata
Empathie ist die Fähigkeit, sich in die Gefühlslage des Gegenübers hineinzuversetzen. Das mit dem Hineinversetzen kann ich gut. Abgesehen von den Aufgaben an Schauspielschulen, sich vorzustellen, man sei eine Amöbe oder der Regenmantel von Jean-Claude van Damme. Ich habe ein Gespür für Traumata aus der Schulzeit.
Ich gehörte zu den dicken Kindern, die stets als letzte in die Mannschaft gewählt worden. Genau genommen war ich die letzte. Ich war auch das hässliche Entlein, das in der Disko immer die Vorstadtelvise fragen musste, ob sie diese oder jene Freundin gut finden, um diese Nachricht brühwarm an Betreffende weiterzugeben. Mit mir an der Seite wurde der Unterschied zwischen Schwan und Ente deutlicher. Außerdem war ich gut in Mathe und bekam von Mutti schon mal lecker Kuchen in die Brotdose. Da war ich äußerst beliebt. Für Projektarbeiten war ich gefragte Partnerin, da es nie Probleme mit der Arbeitsteilung gab. Ich leistete meine 100 Prozent. Zuverlässig. Und wenn jemand eine Begleitung für die Disco suchte, kein Problem. Ich begnügte mich mit dem Hinweis nach vergangenen Stunden unter Blitzlicht und Boxengewummer „Ach, du bist ja auch noch da.“
Da fällt mir eine meiner Lieblingssinnlosbeschäftigungen ein. Stayfriends kann ja jeder. Aber sich an Namen von Mitschülern erinnern, ist schon eine Herausforderung. Und wenn ich es geschafft habe, tippe ich deren Namen in Google ein, um zu lesen, was aus ihnen geworden ist. Oder halt nicht. Machen wir uns nichts vor. Ich muss nicht erst zu einem Schuljubiläum, um mich zu vergewissern, dass sich wirklich niemand an mich erinnert oder mich erkennt. „Muddi wer?“ Diese Demütigung erspare ich mir. Aber das Unsichtbarsein hat auch seine guten Seiten. Niemand wird später sagen, „Mensch, die war mal so gut in der Schule, doch jetzt, hm“ oder „Ihre besten Zeiten liegen hinter ihr“, „Hat ja schon einige Kilos zugelegt.“ Da futter ich doch gern meine Pralinchen ohne schlechtes Gewissen. Denn die Ente bleibt schlimmstenfalls nur eine Ente.
Aber der Frosch, der mal ein Prinz war, leidet. Gerade gestern erinnerte ich mich an den Prinzen der Schule, der im Leistungskurs Englisch hinter mir saß. Er war schön und intelligent. Ist er immer noch, nur die Haare sind auffallend dunkler. Hat der früher etwa Strähnchen gefärbt? Der Haken: Junge, warum um alles in der Welt CDU? Würd ich ihn gern fragen. Aber ist zu umständlich. Müsste ihm ja stundenlang erklären, wer ich bin. Dann bleib ich unsichtbar.
Denn heute würde mich immer noch niemand in eine Sportmannschaft wählen. Aber nun macht es mir nichts mehr aus. Klar, ich bin immer noch empathisch. Und wenn ich mir vorstelle, die Belgische Praline zu sein, die ich gerade in der Hand halte, fühle ich: Angst. Es ist nah, das En …



Dienstag, 6. Dezember 2011
Alle Jahre wieder ...
kommen die Beiträge, dass bald Weihnachten ist mit den üblichen langweiligen Geschichten: Vorweihnachtlicher Einkaufsmarathon, Stress, alles Liegengebliebene der letzten zehn Jahre erledigen wollen, den Ehrgeiz, als erster Last Christmas im Radio zu hören, sich lustige Weihnachtsliedtrinkspiele ausdenken, echte Glaskugeln für den Weihnachtsbaum kaufen, Baum schmücken, neue Kugeln aus Plastik kaufen, Heim dekorieren, die Ein-Euro-Läden nach einer Lichterkette absuchen, Plätzchen backen, wünschen, Rolf Zuckowski wäre nie geboren worden, die vermeintlich bestellte Gans abholen wollen, eine nichtbestellte Tiefkühlente kaufen, Essen kochen, Essen essen, dreimal "Drei Nüsse für Aschenbrödel" gucken, bei Dickens Weihnachtsgeschichte weinen, schnell die Jesusgeschichte lesen, Termine für Kindergottesdienste suchen, Glaubensdiskussionen führen, einen Weihnachtsmann suchen, Kinder bescheren, Weihnachtslieder singen, Weihnachts-CD hören, Familie Heinz Becker gucken, Plätzchen essen, drei Stunden lang aufgedrehte Kinder ins Bett bringen, bekotzte Kinderbetten abziehen, Fencheltee kochen, wie eine Sardine zwischen den Kindern schlafen, von einem Kinderfuß im Gesicht geweckt werden. Mal ehrlich, wer liest das denn? Und wenn ja, warum?
Sankt Martin ist viel spannender: Wenn man allein mit Kind und Baby ist, es in Strömen regnet, das Baby schreit, weil es Hunger oder die Hosen voll oder beides hat, das Kind müde ist, das Kind heult, weil es NICHT alle Süßigkeiten essen soll, die Kinder im Auto angeschnallt sitzen und heulen, das Wasser die Brille heruntertropft, der Kinderwagen beim Zusammenklappen klemmt, die tapetengkleisterte Seidenpapierlaterne aufweichend in sich zusammensackt, der Haustürschlüssel natürlich ganz unten in der Tasche ist, der nächste freie Parkplatz 200 Meter entfernt ist, die Kinder wieder wach werden, nachdem man sie ins Haus geschleppt hat, der Rücken verspannt ist. Und dann vergessen hat, die Klingel auszustellen …



Sonntag, 27. November 2011
Wie Ildiko von Kürthy meine Idee klaute
... weiß ich nicht. Aber sie hat es zweifelsohne getan. Und das war so: Natürlich kann Muddi nicht ständig ihre Tastatur traktieren, um der Welt die Belanglosigkeiten ihres Muddidaseins mitzuteilen. Also nutzt sie die Post-it-Funktion ihres Rechners und pflastert den Desktop mit Textideen. Zum Beispiel übers Weinen. Wenn es eine Meisterschaft im Losheulen gibt – ich gewinne. Es ist ja nicht so, dass ich nur bei den üblichen Muddianlässen schluchze, die sich durch meine Hormone erklären ließen: Wenn die Kindergartenkinder in der Kirche singen, Weihnachten, Babys im Fernsehen, Abschiede, von den Enkeln gerührte Eltern.
Die Titelmelodie von „Nur die Liebe zählt“ erklingt – ich flenne los. Im Programmheft steht „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ – die Melodie summend rinnt mir das Ergebnis überwältigter Gefühle bis ins Dekolletee. Diese Reihe lässt sich unendlich fortsetzen. Die Merci-Werbung – rotz, das letzte Einhorn – jaul. Ja, sogar wenn ich rührige Reden schreibe, perlen die Tränchen über die Tastatur. Wenn Mozarts Klarinettenkonzert KV 622 in B-Dur (Ich hätte jetzt auch bekannte Melodie aus „Jenseits von Afrika“ schreiben können, aber Muddi wollte mal intellektuell rüberkommen, das ist seit Guttenberg wieder IN), das Air von Bach (gern auch auf Beerdigungen gespielt) erklingen, bekomme ich Schluckbeschwerden. Auf Platz eins meiner Heulbojencharts: Nessun dorma, gesungen von Pavarotti. Allein der Gedanke an die Arie verursacht bei mir Gänsehaut. Gleiches passierte mir auch mal in der Kölner Oper, allerdings nur, weil der Tenor die hohen Töne verkackt hat, selbst Paul Potts hätte das besser gekonnt. Ach ja, erinnern Sie sich an den Werbespot? Ich sag nur: gerührt und geschüttelt. Kurzum: Ich bin der Heuler der Nation.
All das wollte ich schreiben und noch viel mehr. Dass es mir peinlich ist, dass ich deshalb keine Kontaktlinsen oder Mascara trage. Doch das kann ich mir nun sparen. Nur wegen der blöden Erkältung. Denn der einzige Ort, an dem ich in Ruhe Eltern, Schöner Wohnen und Brigitte lesen kann, ist das Wartezimmer des Kinderarztes. Und was lese ich in der Kolumne von Frau von Kürthy? Richtig, einen Text über ihre Nähe zum Wasser. Ein so wunderbarer Text, dass ich schon wieder heulen könnte. Vor Wut.. Also schreibe ich eben nicht übers Weinen. Frau von Kürthy, dann heulen Sie ruhig. Ich hab besseres zu tun. Meine Schwägerin heiratet nächstes Jahr. Ich muss jetzt trainieren: Lovestory, Jenseits von Afrika und Westside Story gucken, beim Putzen vormittags Arien hören, in denen die Protagonisten den nahenden Tod besingen und jeden Vorabend Weihnachtswerbung gucken. Und mir wasserfeste Mascara besorgen.



Freitag, 18. November 2011
Die Romy machts nur auf der Couch
Ich bin süchtig. Unterhaltungssüchtig. Und nein, ich meine nicht die Formate des Familienprogramms der privaten Sender am Nachmittag. Ich meine das echte Leben, über das Muddis in Muddiforen berichten. Ich bin da irgendwie reingeraten. Ich wollte nur mal etwas wissen, keine Ahnung mehr, was das war. Aber seitdem bin ich angefixt. Muddiforen – das sind "Silopos", die Abkürzung für Sinnlosposting, damit ich weiß, es ist sinnlos, diesen Mist zu lesen. Die Foren sind amüsant und ein gutes Training für Fremdschämen. Es geht kurzum um alles. Und das bis ins Detail. SIe wollen schwanger werden? Dafür gibts die Hibbelliste, in die sich Frauen eintragen und online gleich jeden Interessierten eine Übersicht ihrer Zykluskurve zur gemeinschaftlichen Beurteilung ihres hormonellen Status zur Verfügung stellen. Im Bereich ungeplant schwanger liest die interessierte Frau: Ich hatte Sex, meint ihr, ich könnte schwanger sein? Und dann sind noch die Millionen Tipps von Müttern an Mütter.

Nehmen wir mal Romy aus Ostsachsen. Von ihr erfahre ich, dass sie ein Familienbett hat, also ein Matratzenlager für die ganze Familie. Weshalb sie für die Zweisamkeit mit ihrem Mann eben auf das Sofa oder sonstige Orte der Wohnung ausweicht. Und Jacky ist die Übermama überhaupt. Bettenzimmer, windel-, tampon- und kinderwagenfreie, langzeitstillende Tragemama, natürlich alles selbstkochend (nach den fünf Elementen mit Liebe) und aus ökologisch unbedenklichen Lebensmitteln und verhütet auch ganz natürlich ohne böse Hormone. Na ja, muss sie grad nicht , ihr Mann ist unlängst ausgezogen. Wollte der etwa sein eigenes Bett?

Am witzigsten bleiben die Namensforen. Und hier geht es intellektuell zur Sache. Ein gekürzter Auszug gefällig?

- Taliysa fragt: Was haltet ihr von dem Namen Jaron? .. Bei einer Freundin fällt der Name unter Kevinismus
- Antwort Stoltze-Mami83: ...Ich weis Aber eigettich gar nicht was die alle gegen den Namen Kevin haben ich find den schön und mein kleiner heist Kevin und ist kein Rabaucke ... genausogut könnte man doch sagen das es einen Maximiliannismuss gibt den Namen gibt es noch viel häufiger.
- Intellektueller Einwurf der Fragerin, dass es bei Kevinismus nicht um Häufigkeit, sondern Assoziation mit sozial schwachem Umfeld geht.
- Antwort: Naja also wie gesagt wir sind zwar Hartz4 Empfänger aber sicherlich bin ich nicht ungebildet oder gar "Assihaft" Und ich muss sagen mir gefällt der Name Kevin ich find eher den namen Maximilian mehr als häufig und deshalb habe ich statt des kevinnismusses eben den Maximiliannismuss gewählt weil das genauso passend ist.

Kurzum sieht es oftmal so aus: Person 1 schildet das Problem. Person 2 schreibt, dass sie das Problem jetzt nicht kennt, sich aber total betroffen fühlt. Person 3 sendet eine virtuelle Umarmung, weitere 5 denken, dass es so und so sein könnte, sich aber nicht sicher sind. An einer Stelle gibt es den Tipp: Verdammt noch mal, dann geht zum Arzt, der aber untergeht, weil sich weitere 10 gerade ankeifern.

Jetzt gehe ich ins Forum und schreibe ein Silopo. Dass mein Kind jeden Tag was Süßes will, ist ein Impfschaden, den der Kinderarzt nicht anerkennen will, weil der mit der Pharmaindustrie unter einer Decke steckt. *Zustimmung von allen Seiten

Und wer wissen will, wo es all die tollen Dinge zu lesen gibt, dem schicke ich gern eine PN.



Montag, 7. November 2011
Danke Horst Seehofer - mein Frauenversteher
Juchhu, meine Herdprämie ist jetzt endlich durch. Doch Horst, warum hat es so lange gedauert? Ist ein bisschen blöd gelaufen. Denn bis ich das Geld bekomme, ist mein Kleiner schon zu alt. Andererseits, wenn du mir das Geld hinterherwirft, ok Horst, dann könnte ich ja noch mehr Kinder, aber wem erzähle ich das, du bist der Fachmann auf diesem Gebiet. Aber ganz ehrlich. Ich weiß gar nicht, warum sich andere Frauen so beschweren. Geld für ömme? Ich bin nicht so blöd wie die Emanzen, die nun verbal auf dich eindreschen. Ich sage ja, ich nehm das Geld: Statt viel Geld für eine Tagesmutter zu bezahlen, bekomme ich sogar noch Geld. Und sogar noch mehr. Wohnzuschuss, Aufstockung. Den Kölnpass, damit ich mit meinen Kindern billig in den Zoo komme. Ein Gewinn auf der ganzen Linie. Horst, du kennst meine geheimsten Wünsche: Endlich mich von Arbeit frei machen, vom Stau auf der Autobahn jeden Morgen, von der Hetzerei zur Kita, vom Laternenbasteln zu Sankt Martin und Pipi-Kaka-Witzen, die mein Kind aus der Kita mitbringt. Stattdessen 150 Öcken, damit sind meine Latte Macchiatos sicher finanziert. Ein Traum so süß wie Zuckerwatte. Und nun Realität.

Aber Horst, einer steht noch unserem Glück im Weg: Mein Mann. Der weigert sich, sich einen zweiten Job zu suchen. Der soll sich mal ein Beispiel an dir nehmen. Du arbeitest auch mehr als acht Stunden am Tag, sogar nachts bist du im Büro. Na ja, zugegeben, das habe ich meinem Mann verboten, nachdem ich auf der Betriebsfeier seine Assistentin kennengelernt habe. Horst, ich fürchte, es bleibt unser Traum.
Horst, ich habe eine Idee, wie wir uns nahebleiben können. Ich geh halt arbeiten, weil mein Mann und das Finanzamt das so wollen, du bleibst zu Hause und betreust mein Kind, bekommst dafür meine 150 Euro im Monat und alle sind glücklich. Na, wie klingt das?