Ich blogge, also bin ich – äh wichtig?
Ich habe kürzlich eine Talkshow gesehen, irgendetwas zum Thema Benehmen. Für den gemeinen Zuschauer, der nicht regelmäßiger Feuilleton-Leser ist, gibt’s dabei eine Einblendung mit Name und Funktion. Sollte man meinen. Beim Nachfahren des Benimmbuchverfassers Knigge, war zu lesen: Nachfahre von Knigge. Das ist natürlich ein 24/7-Job. Und dann saß noch der Sascha Lobo, der Mann, mit dem roten Frettchen auf dem Kopf. Und der ist von Berufs wegen Blogger. Nun nichts gegen Sascha Lobo, seine Texte sind intelligent und großartig, da ist die Frisur egal – bei Heidi Klum ist das ja andersrum.
Aber ein „Ich bin Blogger“ auf die Frage „Und was machst du so?“ war bis dato eine Information vom Format eines „Hallo, ich bin der Ronny und schwul“, „Ich bin Mutter von drei Kindern“ oder „Ich arbeite beim Film“. Darauf komme ich später zurück.
Ist der Blogger das Nachfolgemodell des "Experten" wie die so genannten oder selbst erkannten Society-Experten, die nichts weiter auszeichnet, als Prominenten auf der Benefizveranstaltung für Models aus Muränien aufzulauern und dümmliche Fragen zu stellen. Deren Expertise darauf beruht, mal auf dem Damenklo die Lippenstiftmarke von Veronica Ferres gesehen zu haben.
Aber zurück zum Thema Bloggen. Es freut mich, dass das als Qualifikation bzw. als Berufsbezeichnung ausreicht. Endlich brauch ich nicht kleinlaut „Ähm, Familienmanagerin“ piepsen, wenn mich der CEO meines Mannes bei der Firmenweihnachtsfeier fragt, was ich denn so mache. Pah, ihr promovierten Superwissenschaftlerproduktmanagerconsultantssenioren. Ich werde die Stimme senken, verschwörerisch blinzeln, um anschließend mit einer selbstgefälligen abwinkenden Geste erwähnen: Ach, nichts Besonderes, ich blogge (in der Hoffnung, dass die Schweizer nicht glauben, das sei eine Form von blockieren, darin bin ich Meisterin, zumindest beim Ausparken, und zwar minutenlang und inklusive Gegenspur). Es wird ein Raunen durch die Menge gehen und mir alle Respekt und Aufmerksamkeit zollen ob meiner wichtigen Tätigkeit.
Ach, falls jemand fragt, was ich beruflich so mache: Ich mache was mit Medien.
Warum ich keinen RWE-Vertrag habe
Es klingelt an der Tür. Ist nichts Besonderes, ich bin dank „Klingelschild unten links“ der Türöffner des Hauses, sozusagen das Portal für Botschaften aus aller Welt. Also schlurfe ich zur Tür und versuche, in detektivischer Manier zu ergründen, wer diesmal Einlass erbittet: Claude, mein Lieblings-DHL-Bote und unermüdlicher Trainer für französische Floskeln? Nicht seine Zeit. Anzeigenblatt? Falscher Tag. Ein Stapel interessante Verbraucherinformationen? Dito.
Ich öffne die Tür und checke sekundenschnell die Lage: Für einen Moment verwirrte mich eine attraktive Erscheinung im Bügelhemd. Zeuge Jehovas? Nein, das seelige Lächeln fehlt. Mormone? Kein Namensschild. Aboverkäufer? Zu gut aussehend und angezogen.
Der junge Mann fragt nach meinem Stromzähler, ich hätte ja letzte Woche mit seiner Kollegin schon gesprochen. Äh, nein, ich war gar nicht da und ablesen, wieso jetzt? Ach, er ist gar nicht von den Stadtwerken, sondern von RWE (und das als lekker Junge denke ich und musste ein wenig über meinen Flachwitz schmunzeln), ja, ja, die liefern mir doch meinen Strom, sozusagen sei ich ja eine Kundin und nun gibt es ein noch attraktiveres Angebot. Er senkte seine Stimme und raunte, dass nicht allen diese Offerte unterbreitet wird.
An billigem Strom bin ich schon interessiert. Vor allem, nachdem ich mit einer überhöhten Stromvorauszahlung dafür gesorgt habe, dass Michael Ballack und seinen Vereinskollegen so lange duschen durften, wie sie wollten. Na das klingt gut, da könnte ich mir ja fürs gleiche Geld meine Haare auch trockenfönen. Aber ich will trotzdem in Ruhe nachlesen und rechnen. Das hört er jetzt nicht gern. Er könne später wiederkommen und mit mir einen Kaffee trinken. … (Stirnfalte bei mir und Verweis auf meinen Mann im Nachbarzimmer). Er könne auch nächste Woche vorbeikommen (wenn der Mann weg ist). Und dann beging er den Fehler, der ihn seine Provision kostete: „Ich kann doch Du sagen, oder? Eine junge Frau und gut aussehende Frau wie Sie…“ Alle von zwei Kindern liebevoll gepflegte Falten in meinem Gesicht brachten sich in Stellung. Ehrlich, ich hab nichts gegen kleine Schwindeleien wie „Ach Schatz, ich seh kein graues Haar bei dir und überhaupt mag ich lieber Frauen, an denen was dran ist“. Aber nach einer durchwachten Nacht mit kotzendem Kind und gerade aus dem Mittagsschlaf gerissen mit zerzauselten Haaren, in Schlabbersachen und halb blind (Brille auf dem Nachtschrank) sehe ich einfach nur mies aus. Und so kam es, dass ich keinen RWE-Vertrag habe, weil na, wer kauft schon etwas von jemanden, der einen so anlügt, dass es schon wehtut?
Liebe RWE Kundenberater: Kommunikationstraining absolvieren ist das eine, das Gelernte richtig anzuwenden, das andere. Ich könnte ihren netten Mann mit dem tollen Aftershave gern unterrichten, er könnte ja zum Vertrag unterschreiben mal auf einen Kaffee vorbeikommen.
Ente bleibt Ente - Kindheitstraumata
Empathie ist die Fähigkeit, sich in die Gefühlslage des Gegenübers hineinzuversetzen. Das mit dem Hineinversetzen kann ich gut. Abgesehen von den Aufgaben an Schauspielschulen, sich vorzustellen, man sei eine Amöbe oder der Regenmantel von Jean-Claude van Damme. Ich habe ein Gespür für Traumata aus der Schulzeit.
Ich gehörte zu den dicken Kindern, die stets als letzte in die Mannschaft gewählt worden. Genau genommen war ich die letzte. Ich war auch das hässliche Entlein, das in der Disko immer die Vorstadtelvise fragen musste, ob sie diese oder jene Freundin gut finden, um diese Nachricht brühwarm an Betreffende weiterzugeben. Mit mir an der Seite wurde der Unterschied zwischen Schwan und Ente deutlicher. Außerdem war ich gut in Mathe und bekam von Mutti schon mal lecker Kuchen in die Brotdose. Da war ich äußerst beliebt. Für Projektarbeiten war ich gefragte Partnerin, da es nie Probleme mit der Arbeitsteilung gab. Ich leistete meine 100 Prozent. Zuverlässig. Und wenn jemand eine Begleitung für die Disco suchte, kein Problem. Ich begnügte mich mit dem Hinweis nach vergangenen Stunden unter Blitzlicht und Boxengewummer „Ach, du bist ja auch noch da.“
Da fällt mir eine meiner Lieblingssinnlosbeschäftigungen ein. Stayfriends kann ja jeder. Aber sich an Namen von Mitschülern erinnern, ist schon eine Herausforderung. Und wenn ich es geschafft habe, tippe ich deren Namen in Google ein, um zu lesen, was aus ihnen geworden ist. Oder halt nicht. Machen wir uns nichts vor. Ich muss nicht erst zu einem Schuljubiläum, um mich zu vergewissern, dass sich wirklich niemand an mich erinnert oder mich erkennt. „Muddi wer?“ Diese Demütigung erspare ich mir. Aber das Unsichtbarsein hat auch seine guten Seiten. Niemand wird später sagen, „Mensch, die war mal so gut in der Schule, doch jetzt, hm“ oder „Ihre besten Zeiten liegen hinter ihr“, „Hat ja schon einige Kilos zugelegt.“ Da futter ich doch gern meine Pralinchen ohne schlechtes Gewissen. Denn die Ente bleibt schlimmstenfalls nur eine Ente.
Aber der Frosch, der mal ein Prinz war, leidet. Gerade gestern erinnerte ich mich an den Prinzen der Schule, der im Leistungskurs Englisch hinter mir saß. Er war schön und intelligent. Ist er immer noch, nur die Haare sind auffallend dunkler. Hat der früher etwa Strähnchen gefärbt? Der Haken: Junge, warum um alles in der Welt CDU? Würd ich ihn gern fragen. Aber ist zu umständlich. Müsste ihm ja stundenlang erklären, wer ich bin. Dann bleib ich unsichtbar.
Denn heute würde mich immer noch niemand in eine Sportmannschaft wählen. Aber nun macht es mir nichts mehr aus. Klar, ich bin immer noch empathisch. Und wenn ich mir vorstelle, die Belgische Praline zu sein, die ich gerade in der Hand halte, fühle ich: Angst. Es ist nah, das En …
claudia kring am 03. Januar 12
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Alle Jahre wieder ...
kommen die Beiträge, dass bald Weihnachten ist mit den üblichen langweiligen Geschichten: Vorweihnachtlicher Einkaufsmarathon, Stress, alles Liegengebliebene der letzten zehn Jahre erledigen wollen, den Ehrgeiz, als erster Last Christmas im Radio zu hören, sich lustige Weihnachtsliedtrinkspiele ausdenken, echte Glaskugeln für den Weihnachtsbaum kaufen, Baum schmücken, neue Kugeln aus Plastik kaufen, Heim dekorieren, die Ein-Euro-Läden nach einer Lichterkette absuchen, Plätzchen backen, wünschen, Rolf Zuckowski wäre nie geboren worden, die vermeintlich bestellte Gans abholen wollen, eine nichtbestellte Tiefkühlente kaufen, Essen kochen, Essen essen, dreimal "Drei Nüsse für Aschenbrödel" gucken, bei Dickens Weihnachtsgeschichte weinen, schnell die Jesusgeschichte lesen, Termine für Kindergottesdienste suchen, Glaubensdiskussionen führen, einen Weihnachtsmann suchen, Kinder bescheren, Weihnachtslieder singen, Weihnachts-CD hören, Familie Heinz Becker gucken, Plätzchen essen, drei Stunden lang aufgedrehte Kinder ins Bett bringen, bekotzte Kinderbetten abziehen, Fencheltee kochen, wie eine Sardine zwischen den Kindern schlafen, von einem Kinderfuß im Gesicht geweckt werden. Mal ehrlich, wer liest das denn? Und wenn ja, warum?
Sankt Martin ist viel spannender: Wenn man allein mit Kind und Baby ist, es in Strömen regnet, das Baby schreit, weil es Hunger oder die Hosen voll oder beides hat, das Kind müde ist, das Kind heult, weil es NICHT alle Süßigkeiten essen soll, die Kinder im Auto angeschnallt sitzen und heulen, das Wasser die Brille heruntertropft, der Kinderwagen beim Zusammenklappen klemmt, die tapetengkleisterte Seidenpapierlaterne aufweichend in sich zusammensackt, der Haustürschlüssel natürlich ganz unten in der Tasche ist, der nächste freie Parkplatz 200 Meter entfernt ist, die Kinder wieder wach werden, nachdem man sie ins Haus geschleppt hat, der Rücken verspannt ist. Und dann vergessen hat, die Klingel auszustellen …
claudia kring am 06. Dezember 11
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Wie Ildiko von Kürthy meine Idee klaute
... weiß ich nicht. Aber sie hat es zweifelsohne getan. Und das war so: Natürlich kann Muddi nicht ständig ihre Tastatur traktieren, um der Welt die Belanglosigkeiten ihres Muddidaseins mitzuteilen. Also nutzt sie die Post-it-Funktion ihres Rechners und pflastert den Desktop mit Textideen. Zum Beispiel übers Weinen. Wenn es eine Meisterschaft im Losheulen gibt – ich gewinne. Es ist ja nicht so, dass ich nur bei den üblichen Muddianlässen schluchze, die sich durch meine Hormone erklären ließen: Wenn die Kindergartenkinder in der Kirche singen, Weihnachten, Babys im Fernsehen, Abschiede, von den Enkeln gerührte Eltern.
Die Titelmelodie von „Nur die Liebe zählt“ erklingt – ich flenne los. Im Programmheft steht „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ – die Melodie summend rinnt mir das Ergebnis überwältigter Gefühle bis ins Dekolletee. Diese Reihe lässt sich unendlich fortsetzen. Die Merci-Werbung – rotz, das letzte Einhorn – jaul. Ja, sogar wenn ich rührige Reden schreibe, perlen die Tränchen über die Tastatur. Wenn Mozarts Klarinettenkonzert KV 622 in B-Dur (Ich hätte jetzt auch bekannte Melodie aus „Jenseits von Afrika“ schreiben können, aber Muddi wollte mal intellektuell rüberkommen, das ist seit Guttenberg wieder IN), das Air von Bach (gern auch auf Beerdigungen gespielt) erklingen, bekomme ich Schluckbeschwerden. Auf Platz eins meiner Heulbojencharts: Nessun dorma, gesungen von Pavarotti. Allein der Gedanke an die Arie verursacht bei mir Gänsehaut. Gleiches passierte mir auch mal in der Kölner Oper, allerdings nur, weil der Tenor die hohen Töne verkackt hat, selbst Paul Potts hätte das besser gekonnt. Ach ja, erinnern Sie sich an den Werbespot? Ich sag nur: gerührt und geschüttelt. Kurzum: Ich bin der Heuler der Nation.
All das wollte ich schreiben und noch viel mehr. Dass es mir peinlich ist, dass ich deshalb keine Kontaktlinsen oder Mascara trage. Doch das kann ich mir nun sparen. Nur wegen der blöden Erkältung. Denn der einzige Ort, an dem ich in Ruhe Eltern, Schöner Wohnen und Brigitte lesen kann, ist das Wartezimmer des Kinderarztes. Und was lese ich in der Kolumne von Frau von Kürthy? Richtig, einen Text über ihre Nähe zum Wasser. Ein so wunderbarer Text, dass ich schon wieder heulen könnte. Vor Wut.. Also schreibe ich eben nicht übers Weinen. Frau von Kürthy, dann heulen Sie ruhig. Ich hab besseres zu tun. Meine Schwägerin heiratet nächstes Jahr. Ich muss jetzt trainieren: Lovestory, Jenseits von Afrika und Westside Story gucken, beim Putzen vormittags Arien hören, in denen die Protagonisten den nahenden Tod besingen und jeden Vorabend Weihnachtswerbung gucken. Und mir wasserfeste Mascara besorgen.
Die Romy machts nur auf der Couch
Ich bin süchtig. Unterhaltungssüchtig. Und nein, ich meine nicht die Formate des Familienprogramms der privaten Sender am Nachmittag. Ich meine das echte Leben, über das Muddis in Muddiforen berichten. Ich bin da irgendwie reingeraten. Ich wollte nur mal etwas wissen, keine Ahnung mehr, was das war. Aber seitdem bin ich angefixt. Muddiforen – das sind "Silopos", die Abkürzung für Sinnlosposting, damit ich weiß, es ist sinnlos, diesen Mist zu lesen. Die Foren sind amüsant und ein gutes Training für Fremdschämen. Es geht kurzum um alles. Und das bis ins Detail. SIe wollen schwanger werden? Dafür gibts die Hibbelliste, in die sich Frauen eintragen und online gleich jeden Interessierten eine Übersicht ihrer Zykluskurve zur gemeinschaftlichen Beurteilung ihres hormonellen Status zur Verfügung stellen. Im Bereich ungeplant schwanger liest die interessierte Frau: Ich hatte Sex, meint ihr, ich könnte schwanger sein? Und dann sind noch die Millionen Tipps von Müttern an Mütter.
Nehmen wir mal Romy aus Ostsachsen. Von ihr erfahre ich, dass sie ein Familienbett hat, also ein Matratzenlager für die ganze Familie. Weshalb sie für die Zweisamkeit mit ihrem Mann eben auf das Sofa oder sonstige Orte der Wohnung ausweicht. Und Jacky ist die Übermama überhaupt. Bettenzimmer, windel-, tampon- und kinderwagenfreie, langzeitstillende Tragemama, natürlich alles selbstkochend (nach den fünf Elementen mit Liebe) und aus ökologisch unbedenklichen Lebensmitteln und verhütet auch ganz natürlich ohne böse Hormone. Na ja, muss sie grad nicht , ihr Mann ist unlängst ausgezogen. Wollte der etwa sein eigenes Bett?
Am witzigsten bleiben die Namensforen. Und hier geht es intellektuell zur Sache. Ein gekürzter Auszug gefällig?
- Taliysa fragt: Was haltet ihr von dem Namen Jaron? .. Bei einer Freundin fällt der Name unter Kevinismus
- Antwort Stoltze-Mami83: ...Ich weis Aber eigettich gar nicht was die alle gegen den Namen Kevin haben ich find den schön und mein kleiner heist Kevin und ist kein Rabaucke ... genausogut könnte man doch sagen das es einen Maximiliannismuss gibt den Namen gibt es noch viel häufiger.
- Intellektueller Einwurf der Fragerin, dass es bei Kevinismus nicht um Häufigkeit, sondern Assoziation mit sozial schwachem Umfeld geht.
- Antwort: Naja also wie gesagt wir sind zwar Hartz4 Empfänger aber sicherlich bin ich nicht ungebildet oder gar "Assihaft" Und ich muss sagen mir gefällt der Name Kevin ich find eher den namen Maximilian mehr als häufig und deshalb habe ich statt des kevinnismusses eben den Maximiliannismuss gewählt weil das genauso passend ist.
Kurzum sieht es oftmal so aus: Person 1 schildet das Problem. Person 2 schreibt, dass sie das Problem jetzt nicht kennt, sich aber total betroffen fühlt. Person 3 sendet eine virtuelle Umarmung, weitere 5 denken, dass es so und so sein könnte, sich aber nicht sicher sind. An einer Stelle gibt es den Tipp: Verdammt noch mal, dann geht zum Arzt, der aber untergeht, weil sich weitere 10 gerade ankeifern.
Jetzt gehe ich ins Forum und schreibe ein Silopo. Dass mein Kind jeden Tag was Süßes will, ist ein Impfschaden, den der Kinderarzt nicht anerkennen will, weil der mit der Pharmaindustrie unter einer Decke steckt. *Zustimmung von allen Seiten
Und wer wissen will, wo es all die tollen Dinge zu lesen gibt, dem schicke ich gern eine PN.
Danke Horst Seehofer - mein Frauenversteher
Juchhu, meine Herdprämie ist jetzt endlich durch. Doch Horst, warum hat es so lange gedauert? Ist ein bisschen blöd gelaufen. Denn bis ich das Geld bekomme, ist mein Kleiner schon zu alt. Andererseits, wenn du mir das Geld hinterherwirft, ok Horst, dann könnte ich ja noch mehr Kinder, aber wem erzähle ich das, du bist der Fachmann auf diesem Gebiet. Aber ganz ehrlich. Ich weiß gar nicht, warum sich andere Frauen so beschweren. Geld für ömme? Ich bin nicht so blöd wie die Emanzen, die nun verbal auf dich eindreschen. Ich sage ja, ich nehm das Geld: Statt viel Geld für eine Tagesmutter zu bezahlen, bekomme ich sogar noch Geld. Und sogar noch mehr. Wohnzuschuss, Aufstockung. Den Kölnpass, damit ich mit meinen Kindern billig in den Zoo komme. Ein Gewinn auf der ganzen Linie. Horst, du kennst meine geheimsten Wünsche: Endlich mich von Arbeit frei machen, vom Stau auf der Autobahn jeden Morgen, von der Hetzerei zur Kita, vom Laternenbasteln zu Sankt Martin und Pipi-Kaka-Witzen, die mein Kind aus der Kita mitbringt. Stattdessen 150 Öcken, damit sind meine Latte Macchiatos sicher finanziert. Ein Traum so süß wie Zuckerwatte. Und nun Realität.
Aber Horst, einer steht noch unserem Glück im Weg: Mein Mann. Der weigert sich, sich einen zweiten Job zu suchen. Der soll sich mal ein Beispiel an dir nehmen. Du arbeitest auch mehr als acht Stunden am Tag, sogar nachts bist du im Büro. Na ja, zugegeben, das habe ich meinem Mann verboten, nachdem ich auf der Betriebsfeier seine Assistentin kennengelernt habe. Horst, ich fürchte, es bleibt unser Traum.
Horst, ich habe eine Idee, wie wir uns nahebleiben können. Ich geh halt arbeiten, weil mein Mann und das Finanzamt das so wollen, du bleibst zu Hause und betreust mein Kind, bekommst dafür meine 150 Euro im Monat und alle sind glücklich. Na, wie klingt das?
claudia kring am 07. November 11
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Muddi fragt
Wer erfindet einen Bananendetektor oder zumindest ein Warnsystem für deren Reifegrad für Muddis Handtasche?
Wieso gibt es keine Kekskrümelbarriere für Muddis Dekolletee?
Warum müssen Kinder immer aufs Klo, wenn sie in der Kassenschlange des Supermarks stehen?
Ist das der berüchtigte Kriechsand, der bereits nach marginalem Kontakt den Weg in Babys Windel gefunden hat?
Warum ist die Menge Sand in Kinderschuhen größer als ihnen nach phyikalischen Gesetzen als Füllvolumen zusteht?
Warum sieht man Babyschmodder auf jeder Kleidungsfarbe?
Wer erfindet Dinkelmehl, das schmeckt?
Wieso findet niemand den Stoff, der Kinder süchtig werden lässt nach Hartweizenprodukten?
Und warum schmeckt das Cookie-Eis immer nach Margarine, obwohl die Eisdielen mit „eigene Herstellung“ werben. Und jetzt Muddi eine Packung Aldi-Spätzle und –spinat auf und vermengt das ganze. Es gibt heute Spinatspätzle – aus eigener Herstellung und garantiert krümelfrei.
claudia kring am 02. Oktober 11
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Gebärdensprache für Kinder - ich mach mit
Ich bin eine schlechte Muddi. Ich glaubte stets, mein Kind habe Hunger oder die Hose voll, wenn es plärrtE. Nun habe ich einen Aushang gesehen: Gebärdensprache für Babys. Auf dem Zettel waren Kinder abgebildet, die mit den Händen verschiedene Gesten formen. Biene oder Hubschrauber. Jetzt mache ich mir Vorwürfe. Da dachte der Onkel, dass mein Kind ein wenig blöd wäre. Dabei haben wir einfach nicht verstanden, dass es signalisieren wollte „Hallo, ich finde die Lieferung von Kampfhubschrauber in Krisengebiete nicht vereinbar mit dem deutschen Grundgesetz“. Wir haben nur Wäh verstanden und ihm die Hände geschüttelt.
Aber nun mache ich alles besser und ich übe mit beiden Kindern Gebärden. Und weil Förderung so wichtig ist, nämlich italienische, damit sie sich besser mit ihrem Ersatzvater im Haus verständigen können. Das ist ganz einfach, man kann sogar ganze Sätze formen.
Eine Faust bilden und auf den Bizeps des anderen Arms schlagen. Dabei den Mittelfinger der anderen Hand zeigen. Anschließend aus der Faust den kleinen und den Zeigefinger strecken und hoch halten. Die Hand öffnen und mit leichtem Schwung vom Hals aufwärts unter das Kinn streichen und anschließend mit Daumen und Zeigefinger einen Kreis formen.
Leider hakt es nun mit den deutschen Gebärden. Ich habe Kind 1 neulich Abend einen Vogel gezeigt als Antwort auf sein Verlangen nach Schokocremetoast als Abendessen. Es hat die Geste nicht verstanden. Ich musste sie erst erklären. Verdammte Bildungslücke.
claudia kring am 11. September 11
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Eine Putzhilfe für die Hausfrau!
Nein, ich habe kein Mitleid mit Hausfrauen. Das Gerede von „Ich mache ja den Haushalt, das ist kein Urlaub auf dem Ponyhof, sondern Arbeit“ lässt mich kalt. Denn nach einem umfangreichen Selbstversuch kann nun feststellen, dass sie selbst schuld sind. Hallo, jetzt noch nicht kreischen. Es ist doch so: Ausgangspunkt meines Experiments ist eine saubere Wohnung. Drei bis viermal täglich bin ich nun in der Küche, mache Frühstück Mittagessen, Abendessen und gelegentlich etwas dazwischen. Meinen Kaffee zum Beispiel. Und dabei mache ich Dreck. Noch mehr Verwüstung richtet mein Kind an. Das heißt nach jeder Mahlzeit erhält der Küchenboden eine Patina aus Brei, Kekskrümeln, verkippten Getränken und Obststücken in unterschiedlicher Konsistenz. Im Wohnzimmer wird das Spielzeug ausgekippt, da man im Kinderzimmer nicht mehr spielen kann, weil dort wiederum der Boden mit Plüschtieren gepflastert ist, die alle einen WWF-Sammelsticker auf dem Rücken haben. Auf die kindliche Toilettenhygiene muss ich an dieser Stelle ja wohl nicht näher eingehen. Kurzum: Wir Hausfrauen machen unseren Dreck selbst, Kinder inklusive.
Doch ich habe nun eine Lösung: Einfach so viel wie möglich Zeit außer Haus verbringen. Fremdbetreuung fürs Kind, Job für Muddi oder besser noch: Freundinnen mit dem Latte Macchiato im Café, Kind im Smaland und Spaziergang durchs Möbelhaus und natürlich sämtliche Mahlzeiten in Restaurants einnehmen, die – selbst Schuld – Kinderstühle anbieten. Dieses Leben ist sehr entspannend und hat den positiven Effekt, dass man eben nicht sein eigenes Heim einsaut. Hat nur einen Haken: Das kostet. Aber auch dafür hat Muddi eine Lösung parat: Muss sich der Mann halt einen Zweitjob suchen. Beispielsweise als Putzhilfe in den Haushalten, die immer dreckig sind, weil dort jemand wohnt. Damit wäre doch jetzt allen geholfen, oder?
claudia kring am 23. Juli 11
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Vollgestillt und Vollzahler - Baby und Saunawellness
Das Wetter ist schlecht. Vielleicht doch Wellness für Muddi in einer schönen Kölner Sauna. Muddi hat sogar einen Gutschein. Aber wo sind die Kinderpreise? Gibt es nicht, heißt es am Telefon.
Und ab wann zahlen Kinder? - Ja, ab null.
Ach so, bekomme ich dafür eine Kinderbetreuung? - Nein. Die gibt es nur für Mitglieder.
Das heißt, Baby zahlt, bekommt aber nichts dafür? - Ja, das ist halt so.
Im folgenden hört Muddi, warum das so ist: Man möchte keine Kinder in der Sauna, denn das ist ja ein Wellnessbereich. Man möchte auf Rücksicht auf die Klientel keine Kinder, die Krach machen und stören. Das ist hier so geregelt. (Klar, vor lauter Stilldemenz verwechsle ich auch Sauna mit Spaßbad und wäre sicher mit einer Kindergeburtstagsgesellschaft angerückt).
Was mache ich dann mit meinem Gutschein. Kann ich den stundenweise abarbeiten, während Papa zwei Stunden durch das Viertel flaniert, bis Baby wieder Hunger hat? - Nein, der lässt sich nicht aufteilen.
Hm, Muddi ist ratlos.
Das heißt, ich nehme Baby und Babysitter, also Papa, mit, dann kosten die zwei mehr, als der Gutschein Wert ist. Und Papa hätte auch nichts von der Sauna, denn der muss ja Baby beaufsichtigen, was verkraftbar wäre, aber eine teure Angelegenheit bei einem vollzahlenden Baby ist. Das ist ein bisschen blöd oder? -
Ja, das ist halt so.
Nun hat Muddi festgestellt, dass auch andere Kölner Saunen keine Kinderpreise angeben. Muddi wird demnächst auch dort anrufen. Und erzählen von der Sauna, die nicht nur Kindertarife hat und diese von null bis drei Jahren gratis saunieren, sondern auch eine Kindersauna und einen Familientag bieten. Horror, oder? Ja, das gibts im wilden Osten.
Und nun die Preisfrage: Angenommen, ich bin hochschwanger und bekomme in einer Kölner Sauna ein Kind. Muss ich dann nachlösen?
Kinderwagen und Hunde einen Euro - hier darf Baby zahlen
Die Drachenfelsbahn in Königswinter ist ein Publikumsmagnet. Zweifelsohne. Noch anziehender wirkt die Informationstafel mit den Fahrpreisen. Dort ist nachzulesen: Kinderwagen und Hunde einen Euro. Und das noch mit zwei Piktogrammen, damit Muddi das kapiert. Was kostet dann ein Hund im Kinderwagen? Oder wenn ich den Wagen zusammenfalte? Aber ist ok, immerhin nimmt der Kinderwagen viel Platz weg. Und das Gepäck für den Tagesausflug erst.
Im Ossendorfer Schwimmbad kostet der Kinderwagen nichts, der darf nicht rein, dafür lohnt das Baby 50 Cent. Das ist auch ok. 50 Cent kostet auch einmal pullern an der Raststätte, hier im Schwimmbad darf Baby, so oft es will. Und ein Babybecken gibt es auch. Nur, dass sich darin sämtliche Großfamilien aalen und für Babys kein Platz ist. Ist ja auch ein Familienbad. Das hat einen Wickelplatz für zwei Kinder nebeneinander und sogar einen Hochstuhl im Restaurantbereich. Und einen Laufstall. Der steht nicht in der Umkleidekabine, denn Muddis sind es gewohnt, sich und sämtliche Kinder mit Baby auf dem Arm an- und auszuziehen, sondern neben der Pommes-Ausgabe. Damit man ohne ständiges Babygequengel bei Tisch in Ruhe essen kann.
claudia kring am 22. Juni 11
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Die Karrierefibel für Mütter
Früher, als es noch Arbeitsamt hieß, wurde die zugehörige Dienstleistung „Beratung“ genannt. Dieser Begriff kommt in meine Liste der vom Aussterben geschützten Wörter. Denn heute heißt das Coaching. Und wenn diese Fachleute Beiträge in Zeitschriften veröffentlichen, mutieren sie zu Expertinnen. Und die geben Muddi ganz viele tolle Tipps, wie sie demnächst die Karriereleiter erklimmt. Nach oben, versteht sich. Also hat sich Muddi unter der Wärmehaube beim Friseur mal weitergebildet und viele tolle Tipps bekommen.
„Immer am Ball bleiben, mal in der Firma vorbeischauen“
Hab ich gemacht. Mein Kind hat einen Stapel Papier bekritzelt und den Kollegen geschenkt, Kind 2 hat die Windel vollgeknallt während eines Gesprächs und beide zusammen die Etage vom Arbeiten abgehalten.
„Schon mal kleinere Jobs übernehmen“
Jaha, habe ich getan. Zwischen 22 Uhr und 2 Uhr morgens erledigt, weil ich tagsüber meinem Kind hinterhergerobbt bin. Und da habe ich noch das Privileg, an einem Rechner zu arbeiten. Ich frage mich gerade, wie man als Rewe-Kassiererin einen kleinen Job übernehmen könnte. Die Kisten mit Lollies zur Inventur mit nach Hause nehmen?
„Nutzen Sie die Zeit für Weiterbildung“
Klar, ich habe auch so viel Zeit. Äh, da war noch was. Ach ja, da war ja ein Baby. Mist. Die stören ständig. Immerhin habe ich genau eine Weiterbildung geschafft. Das zählt aber nicht, denn die fand in meiner Küche statt und Baby hat mit der Kursleiterin geflirtet. Ich freue mich auf den Powerpointkurs und bin sicher, mein Kind findet ganz neue Funktionen. Und das Businessenglischbuch liegt auch artig unter dem Kopfkissen. Nur ein bisschen Kotze drauf.
„Mal das Kind abgeben“
Wie bei der Rückbildungsgymnastik, wo Frauen auf Matten schwitzen, ihren Beckenboden erspüren und sich Geburtserlebnisse erzählen. Das tolle Angebot, für das Muddi mehr bezahlt hat als den Kassenregelsatz, sah eine Kinderbetreuung vor. Was das Kind nicht davon abgehalten hat, sich jede zweite Kursstunde in den Raum bringen zu lassen, um gemütlich den Rest der Stunde an der Brust zu nuckeln. Bevor der Hinweis auf eine qualifizierte Kinderbetreuung kommt, in der das Abpumpen oder Pulvermilchfläschchen eine zentrale Rolle spielen: Meine Kinder wünschen, dass der Flaschenaufsatz erfunden wird, der nicht nur kiefergerecht, sondern brustgerecht geformt ist.
„Frühzeitig die Kinderbetreuung organisieren“
Das heißt in Köln in etwa: Schatz, lass uns zusammenziehen. Ich besorg den Umzugswagen und du meldest uns in den Kindergärten an. Wenn die Frau erst schwanger ist, ist es unter Umständen zu spät. Kleiner Trost: Dann werden Sie Managerin eines Familienunternehmens und verwalten monatlich ein Vermögen von 150 Euro Betreuungsgeld.
„Lassen Sie Privates zu Hause, Kinderthemen gehören nicht ins Büro“
Liebe Coach-Tante, da haben Sie recht. Man sollte Schwangerschaft und Elternzeit als Weiterbildung oder Weltreise tarnen, aber niemals das K-Wort sagen. Augenringe, Spuckflecken auf der Schulter und Rotz-Heulspuren am Hosenbein sprechen sowieso ihre eigene Sprache.
„Diese Frauen haben es geschafft“
… und dann hat sie aus der Not eine Tugend gemacht und näht nun Kindersachen, die sie in ihrer Onlineboutique an die Schickimuddis verkloppt, die sich ganz trendy geklöppelte Babyrasseln und Söckchen schenken, die man auch als Eier- oder Handywärmer nehmen kann. Diese Frauen gehören zur Kategorie: Frauen, die ich hasse. Siehe dort.
Frauen, die ich hasse
War mit Kata und ihren Kindern grillen. Die ist zwar nett. Aber ich hasse sie. Denn die hat zwei Kinder, studiert dabei und kann alles essen, ohne ein Gramm zuzunehmen (Ich sage nur: XS). Ich hingegen esse eine Tafel Schokolade und prompt haftet sie als Hüftgold an mir, als wären es zwei gewesen. Und dann kocht sie noch Holunderblütensirup. Natürlich aus selbstgesammelten Blüten. Und natürlich beide Kinder mal eben im Geburtshaus bekommen. Babsi hasse ich auch. Die hat ein durchschlafendes Baby. Von Anfang an. Isa hasse ich wieder. Mit vier Kindern meistert die locker ihren Alltag und ist so was von entspannt. Und ist auch noch nett. Grässlich. Als ich erfuhr, dass sie nicht kochen kann, mochte ich sie wieder. Aber die nächste Info macht sie wieder hassenswert: Jedes zweite Wochenende komplett kinderfrei. Ich hasse Sandy. Die ist erfolgreich und hat keine Kinder und kann deshalb immer spontan Urlaub machen. Susi? Hassenswert. Terrasse und Garten. Bibi, ganz schlimm, Geld und Liebe.
Kurzum. Ich hasse alle Frauen, die mehr verdienen als ich, was bei einer Hausfrau nun nicht die hohe Kunst ist, alle Frauen, die gut aussehen, was gerade auch keine Kunst ist, weil ich von der Sonnencreme Pickel bekommen habe. Ich kann Frauen nicht ausstehen, die artige, schlafende, schöne Kinder haben. Ich mag besonders keine Frauen, die gleich viel oder mehr Kinder haben als ich und gleichzeitig Vorsitzende im Schultheaterverein sind, Kassiererin auf dem Ponyhof und sich natürlich ehrenamtlich im Kindergartenförderverein engagieren, nebenher 150 Muffins für den Basar backen, bevor sie ihre Kinder vom Kurs musikalische Früherziehung abholen und liebevoll den Osterschmuck im Haus verteilen. Selbstbastelten natürlich. Pah.
Gegen Heidi Klum habe ich nichts. Sie ist schön und erfolgreich. Aber ehrlich. Die Stimme. Ach nee. Arme Frau.
claudia kring am 17. April 11
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Netzwerken auf Xing: Jetzt auch in Übergröße
Vor einiger Zeit schrieb mir Ulla. Sie ist nach ihrer Firmenzugehörigkeit zu urteilen eine frühere Kollegin einer Bekannten aus meinen Xing-Kontakten. Jetzt will sie mein Kontakt sein. Menno, dabei kenne ich nur Tante Ulla, die eigentlich gar nicht meine Tante, sondern eine Cousine meines Vaters … ich schweife ab. Was wollen die von mir? Kürzlich lud mich Dietmar ein, um seiner Gruppe beizutreten. Dabei bekomme ich schon genügend Post diverser Vereinigungen. Der Martin will immer, dass wir uns treffen, aber das ist leider immer am Abend auf einem Partyboot oder so. Leider muss ich stets ablehnen wegen der Kinder. Aber ich habe Tagesfreizeit, sollte ich einmal anregen. Besonders mag ich Sven, weil er immer den Arbeitgeber wechselt und der Diskussionsgruppe dann Neuigkeiten postet. Oder er schreibt gleich ein Buch und stellt es allen vor. Ich habe noch nie diskutiert. Beleidigungen verstoßen gegen die Etikette.
Besonders nachdenklich stimmte mich kürzlich Dieter. Er lud mich zu einer Modegruppe ein, irgendwas mit individuell wie ich. Was wollte er mir damit sagen? Hat der mich gesehen, wie ich in Schlabbersachen nach einem kläglich gescheiterten Beikostfütterungsversuch den Müll rausgebracht habe. Oder wie ich grübelnd in der XXL-Abteilung stand und mir die Zelte angesehen habe, die sie mir als Shirts, die meiner Figur schmeicheln, verkaufen wollen? Jedenfalls habe ich mal recherchiert, also bei Google seinen Namen eingegeben. Da war er gleich. Maßgeschneiderte Kleidung bietet er mir, damit ich mich unvergleichlich wohl fühle und die zu meinem Lebensgefühl und dem Zeitgeist passt. Habe darüber nachgedacht, was das wäre. Ein XXL-Latz für die nächste Ladung Möhrenbrei. Muss der Dieter mir aber nicht schneiden. Gibt es schon. Heißt Friseurumhang.
So, und jetzt gründe ich die Hausfrauengruppe Köln-Bickendorf und lade wahllos sämtliche Leute ein. Ey, kommst du Ossendorf? Lad ich dich ein. Wir sind doch Nachbarinnen.
claudia kring am 17. April 11
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Facebook … gefällt mir nicht
Es gab eine Zeit, da freute ich mich darüber, immer einen Draht zu Freunden zu haben. Facebook und Xing sei Dank. Davon ist nicht viel übrig. Vielmehr fische ich die wenigen interessanten Neuigkeiten aus einer Vielzahl virtueller Belanglosigkeiten.
„Endlich Freitag“, ist zu lesen. Das sage ich seit, ach, seit ich arbeite. Neu ist das nicht. Aber gefällt 69 weiteren Freunden.
„Waltraut hat ein Ei ausgebrütet und nun Schafe auf ihrer Farm“ Ich hatte schon bei Computerspielen nie einen Durchblick. Warum sollte mich das interessieren.
“Horst mag Two and a half men“. Danke Horst für diesen Beitrag. Er hat mein Weltbild verändert. Ich dachte immer, du magst französische Kunstfilme.
„Wenn Timo ein Tier wäre, wäre er eine andalusische Bergziege.“ Ich hätte auf Seekuh getippt. War vielleicht schon vergeben an mich, wenn ich denn ein Tier wäre.
„Sabine gefällt Castrop-Rauxel und der Gasthof zum letzten Pferd.“ Na dann lad mich doch mal zum Essen ein.
Und überhaupt Freunde. Es ist schon schmeichelhaft, wenn sich bei FB gaaanz viele Menschen als meine Freunde outen. Danke an dieser Stelle. Zum ersten Mal habe ich Freunde. Und dank der genialen Geburtstagserinnerungsfunktion bekomme ich sogar Glückwünsche. Wann wird der Button „Jetzt Pralinchen schicken an Geburtstagskind“ erfunden?
Apropo Button. Ich wollte an dieser Stelle eigentlich einen Aufruf für einen „Gefällt mir nicht“-Button starten. Gibt’s aber schon. Hat Sonja gepostet. Mist. Wieder zu spät.
claudia kring am 17. April 11
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Qualifikation: Familienmitglied
Jede Woche schreibt mir Nicola einen Elternbrief mit vielen wertvollen Tipps zum Muddidasein. Vor allem aber sorgt sie sich um die richtige Ernährung meines Sprösslings. Da bin ich etwas nachlässig, zugegeben. Nicola sagt, es sei nun Zeit für die dritte Beikost-Mahlzeit. Dabei habe ich ihm heute gerade einen Löffel mit Möhrenbrei ablutschen lassen, den mir Nicolas Papa vor vielen Wochen geschickt hat. Da hat sie mich gefragt, ob es schon mit der Mittagsmahlzeit klappt. Habe ich wohl überlesen. Nicola kennt sich aus, ist eine Fachkraft. Denn an der Stelle unter dem Namen, wo sonst „Dr. rer. nat.“ oder „Diplom-Jodlerin“ steht, finde ich „Tochter von Claus Hipp und Mutter von drei Töchtern“. Respekt!
Ihre Muddi, Tochter von Heinrich und Trägerin des silbernen Schwimmabzeichens
claudia kring am 17. März 11
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Durchfallstonehenge
Lieber Leser, liebe Leserin,
warum haben Sie auf diesen Beitrag geklickt? Neugier? Lust am Gruseln und Schaudern? Sie lesen zuerst die Vermischtes-Nachrichten? Dann wissen Sie um die Bedeutung einer guten Überschrift. Kennen Sie auch ein Merkmal guter Texte? Ausdrucksstarke Geschichten sind nicht wie Werbetexte mit megasuperwahnsinnsvielen Adjektiven gespickt. Sie lassen vielmehr Bilder in Ihrem Kopf entstehen. Ich versuche das jetzt mal sehr minimalistisch. Mein ungeschriebener Bericht eines häuslichen Ereignisses besteht aus drei Wörtern: Kleinkind – Durchfall – Stonehenge. Und, welches Bild sehen Sie? Genau, nicht schön.
claudia kring am 17. März 11
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Und wann wurden Sie das letzte Mal behupt?
Gestern Nachmittag nach Shoppingtour beim Orthopädieschuhmeister: Ich parke ordnungsgemäß an der Straße und für meine Verhältnisse sehr gut, also weniger als einen halben Meter bis zum Bordstein. Ich packe Kind 1 ins Auto, ich packe Kind 2 ins Auto, ich hieve den Kinderwagen ins Auto. Ich schnalle Kind 1 fest, ich hänge mit dem Oberkörper über der Babyschale und schnalle Kind 2 – Tröööt, ich schnalle – Trööööt. Da hupt mich doch ein Bus an. Als argwöhnische Muddi hätte ich im ersten Moment vermutet, dass sein Hupen mir signalisieren soll, dass ich ihn in der Ausübung seiner Personenbeförderungspflicht behindere, weil ich nicht in der Lage bin, nach den Gurten von der anderen Seite der Sitzbank zu angeln. (Catherine Zeta-Jones könnte das, die robbt ja auch im Abendkleid vom Kofferraum hinter das Lenkrad). Doch ich hatte einen guten Tag und meine orthopädischen Schuhe an (Nachahmer dieser Schuhe werben mit einem knackigen Hinterteil, den die Trägerin bekommt). Also nehme ich das Anhupen mal als Kompliment. Muddis mögen das. Danke, mein lieber Busfahrer der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB). Ich fühle mich gar nicht mehr orthopädisch, eher .... knackig.
claudia kring am 17. März 11
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