Klassentreffen – Hilfe, ich pass nicht ins Kleid
Es gibt Frauen, die ich hasse. Also alle zwischen zu dünn und normalgewichtig. Und es gibt die bösartige Spezies. Das sind Frauen, die das Klassentreffen auf die Vorweihnachtszeit legen. Wohlwissend, dass ich zu dieser Zeit UNMÖGLICH 30 Kilo Übergewicht abspecken könnte. Scheinheilig wie sie waren, schicken sie die Einladung im Sommer. Aber ehrlich, als würde Bergsteigen etwas daran ändern, dass zum Spätsommer schon die Lebkuchen und Pralinchen im Laden locken.

Kurzum: Ich muss vor den wabbeligen Tatsachen kapitulieren, auch Madonnas Fitness Trainer könnte hier nichts mehr ausrichten. Statt Personal Coach brauch ich einen Mental Coach und schwarze Klamotten aus der Molligmodeecke, um die Problemzonen zu kaschieren. Also, chaka, ich habe zwar das Diätziel nicht erreicht, aber doch viele tolle Sachen in meinem Leben. Darf aber nicht geschwindelt sein wie bei „Romy und Michelle“, ein Film, der mir seit Wochen im Kopf herumgeistert.
Noch ein Friseurtermin und natürlich brilliant gestylte Fingernägel.

Ok, die Haare waren jetzt nicht der Renner. Ich hätte sie in den Wochen zwischen Friseur und Heimfahrt nicht waschen sollen, keine Ahnung, wie die Friseuse meinen Pony über den Augen fixiert hat.

Ich habe mir extra einen neuen Nagellack gekauft. Verpackung war schön, „Vintage Look“. Auf meinen Nägeln sieht er aus, als hätte ich meine Finger in die Heilerde-Gesichtsmaske getaucht, die gegen die Pickel helfen soll, die vor Aufregung in meinem Gesicht sprießen. Hab mir dann schnell noch am Bahnhof einen passend zum Anlass goldglitzernden Lack beschafft und ständig irgendwas gegessen, damit ich mir nicht die Nägel vor Aufregung abkaue.

Ach ja, Treffen war nett. Mich hat jemand wiedererkannt. Aus der Parallelklasse. Glaub ich zumindest. Kann natürlich auch sein, dass der Mann auch ohne Nahsichtbrille mein Namensschild im Halbdunkel lesen konnte. Ich frag ihn mal. In fünf Jahren. Wenn er sich dann noch erinnert …