Ich blogge, also bin ich – äh wichtig?
Ich habe kürzlich eine Talkshow gesehen, irgendetwas zum Thema Benehmen. Für den gemeinen Zuschauer, der nicht regelmäßiger Feuilleton-Leser ist, gibt’s dabei eine Einblendung mit Name und Funktion. Sollte man meinen. Beim Nachfahren des Benimmbuchverfassers Knigge, war zu lesen: Nachfahre von Knigge. Das ist natürlich ein 24/7-Job. Und dann saß noch der Sascha Lobo, der Mann, mit dem roten Frettchen auf dem Kopf. Und der ist von Berufs wegen Blogger. Nun nichts gegen Sascha Lobo, seine Texte sind intelligent und großartig, da ist die Frisur egal – bei Heidi Klum ist das ja andersrum.

Aber ein „Ich bin Blogger“ auf die Frage „Und was machst du so?“ war bis dato eine Information vom Format eines „Hallo, ich bin der Ronny und schwul“, „Ich bin Mutter von drei Kindern“ oder „Ich arbeite beim Film“. Darauf komme ich später zurück.

Ist der Blogger das Nachfolgemodell des "Experten" wie die so genannten oder selbst erkannten Society-Experten, die nichts weiter auszeichnet, als Prominenten auf der Benefizveranstaltung für Models aus Muränien aufzulauern und dümmliche Fragen zu stellen. Deren Expertise darauf beruht, mal auf dem Damenklo die Lippenstiftmarke von Veronica Ferres gesehen zu haben.

Aber zurück zum Thema Bloggen. Es freut mich, dass das als Qualifikation bzw. als Berufsbezeichnung ausreicht. Endlich brauch ich nicht kleinlaut „Ähm, Familienmanagerin“ piepsen, wenn mich der CEO meines Mannes bei der Firmenweihnachtsfeier fragt, was ich denn so mache. Pah, ihr promovierten Superwissenschaftlerproduktmanagerconsultantssenioren. Ich werde die Stimme senken, verschwörerisch blinzeln, um anschließend mit einer selbstgefälligen abwinkenden Geste erwähnen: Ach, nichts Besonderes, ich blogge (in der Hoffnung, dass die Schweizer nicht glauben, das sei eine Form von blockieren, darin bin ich Meisterin, zumindest beim Ausparken, und zwar minutenlang und inklusive Gegenspur). Es wird ein Raunen durch die Menge gehen und mir alle Respekt und Aufmerksamkeit zollen ob meiner wichtigen Tätigkeit.
Ach, falls jemand fragt, was ich beruflich so mache: Ich mache was mit Medien.




tomkin am 16.Feb 12  |  Permalink
:-))) Superwissenschaftlerproduktmanagerconsultantssenioren. Das passt ja nicht mal ins Kommentarfeld geschweige denn auf ne Visitenkarte :-).

Wenn man meine Gattin dazu fragt, was sie denn so macht, hängt ihre Antwort davon ab, ob sie ihr Gegenüber sympatisch findet. Einmal hat sie gesagt: "Faule Socke mit Sofa und vier Hosenscheißern." War ihr wohl nicht so sympatisch der Herr ...