Die Karrierefibel für Mütter
Früher, als es noch Arbeitsamt hieß, wurde die zugehörige Dienstleistung „Beratung“ genannt. Dieser Begriff kommt in meine Liste der vom Aussterben geschützten Wörter. Denn heute heißt das Coaching. Und wenn diese Fachleute Beiträge in Zeitschriften veröffentlichen, mutieren sie zu Expertinnen. Und die geben Muddi ganz viele tolle Tipps, wie sie demnächst die Karriereleiter erklimmt. Nach oben, versteht sich. Also hat sich Muddi unter der Wärmehaube beim Friseur mal weitergebildet und viele tolle Tipps bekommen.
„Immer am Ball bleiben, mal in der Firma vorbeischauen“
Hab ich gemacht. Mein Kind hat einen Stapel Papier bekritzelt und den Kollegen geschenkt, Kind 2 hat die Windel vollgeknallt während eines Gesprächs und beide zusammen die Etage vom Arbeiten abgehalten.
„Schon mal kleinere Jobs übernehmen“
Jaha, habe ich getan. Zwischen 22 Uhr und 2 Uhr morgens erledigt, weil ich tagsüber meinem Kind hinterhergerobbt bin. Und da habe ich noch das Privileg, an einem Rechner zu arbeiten. Ich frage mich gerade, wie man als Rewe-Kassiererin einen kleinen Job übernehmen könnte. Die Kisten mit Lollies zur Inventur mit nach Hause nehmen?
„Nutzen Sie die Zeit für Weiterbildung“
Klar, ich habe auch so viel Zeit. Äh, da war noch was. Ach ja, da war ja ein Baby. Mist. Die stören ständig. Immerhin habe ich genau eine Weiterbildung geschafft. Das zählt aber nicht, denn die fand in meiner Küche statt und Baby hat mit der Kursleiterin geflirtet. Ich freue mich auf den Powerpointkurs und bin sicher, mein Kind findet ganz neue Funktionen. Und das Businessenglischbuch liegt auch artig unter dem Kopfkissen. Nur ein bisschen Kotze drauf.
„Mal das Kind abgeben“
Wie bei der Rückbildungsgymnastik, wo Frauen auf Matten schwitzen, ihren Beckenboden erspüren und sich Geburtserlebnisse erzählen. Das tolle Angebot, für das Muddi mehr bezahlt hat als den Kassenregelsatz, sah eine Kinderbetreuung vor. Was das Kind nicht davon abgehalten hat, sich jede zweite Kursstunde in den Raum bringen zu lassen, um gemütlich den Rest der Stunde an der Brust zu nuckeln. Bevor der Hinweis auf eine qualifizierte Kinderbetreuung kommt, in der das Abpumpen oder Pulvermilchfläschchen eine zentrale Rolle spielen: Meine Kinder wünschen, dass der Flaschenaufsatz erfunden wird, der nicht nur kiefergerecht, sondern brustgerecht geformt ist.
„Frühzeitig die Kinderbetreuung organisieren“
Das heißt in Köln in etwa: Schatz, lass uns zusammenziehen. Ich besorg den Umzugswagen und du meldest uns in den Kindergärten an. Wenn die Frau erst schwanger ist, ist es unter Umständen zu spät. Kleiner Trost: Dann werden Sie Managerin eines Familienunternehmens und verwalten monatlich ein Vermögen von 150 Euro Betreuungsgeld.
„Lassen Sie Privates zu Hause, Kinderthemen gehören nicht ins Büro“
Liebe Coach-Tante, da haben Sie recht. Man sollte Schwangerschaft und Elternzeit als Weiterbildung oder Weltreise tarnen, aber niemals das K-Wort sagen. Augenringe, Spuckflecken auf der Schulter und Rotz-Heulspuren am Hosenbein sprechen sowieso ihre eigene Sprache.
„Diese Frauen haben es geschafft“
… und dann hat sie aus der Not eine Tugend gemacht und näht nun Kindersachen, die sie in ihrer Onlineboutique an die Schickimuddis verkloppt, die sich ganz trendy geklöppelte Babyrasseln und Söckchen schenken, die man auch als Eier- oder Handywärmer nehmen kann. Diese Frauen gehören zur Kategorie: Frauen, die ich hasse. Siehe dort.
Artikel habe ich letzte Woche beim Zahnarzt gelesen (Eltern, Ausgabe November). Und ich habe dabei genau dasselbe gedacht wie Sie. Herzlichen Dank, Sie sprechen mir aus der Seele. :-)
... Liebe ichbindiegute, habe sogleich bei Ihnen gestöbert und bin nun eine Sorge weniger: Ich dachte immer, ich höre schlecht, blöd, wenn man schon nix sieht, weil man sich der Gleitsichtbrille verweigert. Danke, nun weiß ich, dass es die Sänger sind, die sich nicht artikulieren. Ich habe mich bei Hustler vor dem Fenster immer gefragt, warum manche Leute sich Pornohefte ins Fenster kleben.
Übrigens, bei den Mengen Hustenbonbons wäre mir auch schlecht. Da fällt mir ein, ich wollte schon immer was über alternative Heilmethoden loswerden ....